Mitreden bei Politik und Forschung

Wie wollen wir in Zukunft im Alter leben?
Welche Unterstützung brauchen wir zu Hause?
Wie soll unser Umfeld aussehen?

Einsatz für ein vitales Leben

Einsatz für ein vitales Leben. Vitalität ist die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben in allen Lebensabschnitten. Die Stadt und ihre Bewohner setzen mehr Ressourcen wie Zeit, Wissen und Geld gezielt zur Gesundheitsförderung und –vorsorge ein. Vitalität ist dabei mehr als nur Gesundheit und Abwesenheit von Krankheit. Es bleibt viel Raum für soziales Engagement, persönliche Entwicklung, Bildung und Kultur.

Ihr Slogan in der Organisation „Wien-Vital“ lautet: „Mehr Energie für vitales Leben“. Was genau verstehen sie unter Energie?

Unter Energie verstehen wir Ressourcen wie Zeit, Wissen und natürlich auch Geld zur Gesundheitsförderung und –vorsorge. Für uns spielen aber auch Bildung, Kultur und alles, was die Vitalität der Menschen fördert, eine wichtige Rolle. Heute, 2050, investieren wir mehr Energie in ein bewusstes und vitales Leben. Wir nutzen diese Energie für soziales Engagement, für die Vorsorge von Krankheiten und für die verständnisvolle Unterstützung von Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten. Wir steigern so die Freude am Leben und erhöhen die Anzahl der vitalen Lebensjahre. Vitalität ist für uns mehr als nur Gesundheit und Abwesenheit von Krankheit. Sie bedeutet vor allem Lebensfreude und sie soll für alle solange wie möglich vorhanden sein.

Sie erwähnten Zeit als Ressource von Vitalität. Könnten sie das genauer erläutern?

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde klar, dass der Zeitdruck im Alltag und bei der Arbeit uns zunehmend krank machte. Menschen hatten wenig Zeit für ihre persönliche Entwicklung und die Pflege sozialer Kontakte. Daher litten besonders Menschen nach der Pensionierung unter sozialer Isolation. Auch andere Generationen waren in herausfordernden Lebensphasen, wie bei der Pflege von Angehörigen oder der Familiengründung stark unter Zeitdruck und Stress und anfällig für physische und psychische Krankheiten.

Was sind die Leitlinien Ihrer Arbeit?

Der Mensch steht im Mittelpunkt, die Gesellschaft soll langfristig zukunftsfähig sein.

Um das zu erreichen, wollen wir Eigenverantwortung und Selbstbestimmung stärken. Wir beraten Kinder, Jugendliche und Erwachsene und vermitteln Wissen über die Zusammenhänge von Körper und Geist und dem Leben mit der Natur. So gibt es heute viel mehr mündige BürgerInnen, denen es auch leichter fällt, auf dem großen „Markt“ sinnvolle Angebote von weniger sinnvollen für ihre Vitalität zu unterscheiden.

Wir fördern Gesundheitszentren und modernste Medizin, um für jeden kranken Menschen die für ihn passende Behandlung und Therapie zu ermöglichen.

Was verstehen sie unter „modernster Medizin“?

Die Medizin hat sich stark weiterentwickelt. Heute verbinden wir Schul- und Komplementärmedizin. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war diese Verknüpfung noch eine Vision. Durch laufende Bewertung und strenge Qualitätskriterien haben einige „alternative“ Therapieformen ihren Heilungserfolg unter Beweis gestellt. Sie werden heute im Zusammenspiel mit modernster „Schulmedizin“ in einem ganzheitlichen Gesundheits- und Vitalitätskonzept angewandt. Außerdem unterstützen wir Forschung, die hilft, Krankheiten zu erkennen und vorzubeugen, bevor sie entstehen.

Die Grundlage für ein vitales Leben ist das Bewusstsein der Gesellschaft über die Voraussetzungen für Lebensfreude und eine Bildung, die uns hilft, mit Herausforderungen des Lebens umzugehen.

Wie wichtig ist die Investition in Bildung?

Sehr wichtig. Aus Erfahrungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts wissen wir, dass Bildungspolitik präventive Sozial- und Gesundheitspolitik ist und für unser Vitalitätsbewusstsein im Vordergrund steht.

Dazu gehören zum Beispiel die Angebote der Vitalferien oder auch die verschiedenen Modelle für eine Auszeit vom Beruf, die heute häufig wahrgenommen werden.

Wie können Vitalferien als Bildungsmaßnahme verstanden werden?

In Vitalferien vermitteln wir altersgerechte Lerninhalte zur Bewältigung von Herausforderungen des Alltags durch Bewegung, Spiel und Sport und schaffen dadurch Ausgleich und Entspannung. Durch Spiele, die sich auf Alltagssituationen beziehen, fällt es den TeilnehmerInnen leichter, etwas Neues zu lernen. Vitalferien sind besonders bei vielen Selbsthilfevereinen für pflegebedürftige Menschen beliebt. In diesem Bereich arbeiten wir auch eng mit Unternehmen zusammen. Insgesamt bleibt heute mehr Zeit für soziales Engagement und persönliche Weiterentwicklung.

Was hat Ihrer Meinung nach der Umbau des Gesundheitssystems hin zu mehr Vorsorge und Vitalität bewirkt?

Heute können wir beweisen, dass vitale Menschen die Grundlage für eine glückliche Gesellschaft bilden. Durch frühzeitige und langfristige Gesundheitsvorsorge fühlen sich die Menschen wohler und im Krankheitsfall sind mehr Ressourcen vorhanden. Bei schweren oder chronischen Erkrankungen kann so zum Beispiel ein individuell abgestimmtes, langfristiges Therapiepaket zur Verfügung gestellt werden. Durch diese professionelle und regelmäßige Betreuung, die, soweit es geht, auch zu Hause erfolgt, trauen sich heute auch wieder viel mehr Angehörige zu, bei der Pflege kranker und älterer Personen mitzuhelfen. Diese Arbeit erfährt auch viel mehr Wertschätzung als noch 2020. Ungewollte soziale Isolation kann heute in den meisten Fällen verhindert werden. Unser Gesundheitssystem hat endlich einen hohen Standard und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Für Viele wurde damit ein selbstbestimmtes Leben in Wien und Umgebung ermöglicht.

Selbstbestimmung scheint ein zentraler Punkt zu sein.

Ja. Und eine wichtige Voraussetzung für selbstbestimmtes Leben in allen Lebensabschnitten ist, dass alle den gleichen Zugang zu einem vitalen Leben haben.

Altersspezifische und barrierefreie Bewegungs- und Bildungsmöglichkeiten mit Betreuung durch multiprofessionelle Teams motivieren Menschen, sich mit dem Thema Leben im Alter entspannter auseinanderzusetzen. Die allgemeine Einstellung der Gesellschaft zum Altern ist heute viel positiver. Die Menschen können sich auf ihr Alter freuen, weil sie wissen, dass sie lange selbstbestimmt und vital bleiben können. Durch die Thematisierung des letzten Lebensabschnitts und des Todes können sich Menschen frühzeitig auf Veränderungen einstellen. Krankheit, Tod und Verlust werden gesellschaftlich viel offener diskutiert und die breite Auseinandersetzung mit diesen Themen findet heute ohne Vorurteile und Stigmatisierung statt.

Gab es bei so viel Positivem auch negative Entwicklungen?

Nein, im Gegenteil. 2020 hat es zu Beginn Bedenken gegeben, dass vitale Menschen immer länger arbeiten würden, was zu einer höheren Arbeitslosigkeit bei jüngeren führen könne. Der Tätigkeitsmarkt koordiniert die Beschäftigten so umfassend, dass eine altersgerechte Tätigkeit für alle möglich ist.