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Vom Arbeitsmarkt zum Tätigkeitsmarkt

Im Jahr 2050 hat sich der ehemalige Arbeitsmarkt zu einem „Tätigkeitsmarkt“ entwickelt. Die finanzielle Grundsicherung ermöglicht allen BürgerInnen eine sinnvolle und sinnstiftende Teilhabe an der Gesellschaft. Auch die Pflege und Betreuung älterer Menschen wurde so aufgewertet und verbessert.

Im Jahr 2013 haben Sie den sogenannten „Tätigkeitsmarkt“ entworfen. Ein wichtiger Bestandteil dieses Konzepts war die Sicherung der Grundbedürfnisse. Warum war dies damals nur eine Vision?

Damals wirkte es für viele noch paradox, dass die Gesellschaft mehr Verantwortung für das Individuum übernimmt, ihm auch aber gleichzeitig viel mehr Selbstbestimmung ermöglicht. Unsere Vision lautete: „Die Gesellschaft sichert Grundbedürfnisse und die Einzelnen geben ihre Stärken und Fähigkeiten zurück. Jede Person bringt sich positiv in der Gesellschaft ein.“ Zuallererst mussten wir dafür gesellschaftliche Werte diskutieren, die auch wirklich zum 21. Jahrhundert passten.

Um welche Werte handelte es sich?

Zum Beispiel den Wert von Freiwilligenarbeit, wie die Pflege von Angehörigen, soziales Engagement, etc. All diese sinnvolle, notwendige, aber unbezahlte Tätigkeiten für die Gesellschaft sollten einen höheren Stellenwert bekommen. Für die Gesellschaft als Ganzes bedeutete das zunächst einmal, über eine umfassende Integration und Inklusion nachzudenken und Eigenständigkeit und Authentizität des Menschen in den Vordergrund zu stellen. Nachdem Arbeit neu bewertet wurde, sprechen wir heute nicht mehr vom Arbeitsmarkt, sondern von einem Tätigkeitsmarkt, an dem alle teilhaben können. Außerdem mussten wir mehr über die Bedürfnisse verschiedener Gruppen erfahren. Die Gesellschaft musste sich dann im Dialog darüber einigen, welche Bedürfnisse durch eine Grundsicherung erfüllt werden sollen und können.

Warum war die Grundsicherung in ihrem Konzept so wichtig?

Das Basiseinkommen sichert ein selbstbestimmtes Tätigkeitszeitmodell und damit ein größtmöglich selbstbestimmtes Leben.

Dadurch wird das Fundament gelegt, dass es Menschen ermöglicht, sinnvollen Tätigkeiten nachzugehen. Erst wenn die Grundbedürfnisse gesichert sind, kann die Lebensqualität steigen. Menschen brauchen in erster Linie Respekt und Würde, ein Dach über dem Kopf, Kleidung, Ernährung, Gesundheit, Sicherheit, Kultur und soziale Integration.

Welche strukturellen Veränderungen waren notwendig, um die Beziehung zwischen Gesellschaft und Individuum zu verändern?

Als Gesellschaft mussten wir andere Formen der Anerkennung, außer der finanziellen etablieren. Verwaltungs- und Sozialversicherungsbeiträge mussten angepasst werden. Heute steht der Mensch im Mittelpunkt des Tätigkeitsmarktes. Er kann sinnvoll für die Gesellschaft tätig sein und genießt einen hohen Stellenwert. Jede einzelne Person wird in Ihrer Tätigkeit durch technische Erneuerungen unterstützt, die auch ihre Fähigkeiten und Interessen berücksichtigten.

Seit 2030 kann jede Person ihren persönlichen sinnvollen und damit auch sinnstiftenden Beitrag für die Gesellschaft leisten und durch Wertschätzung und Respekt Bestätigung finden. Hierfür waren natürlich viel wechselseitige Akzeptanz und die Stärkung der Eigenverantwortung nötig. Auch das Bildungssystem musste dahingehend umgebaut werden, dass Talente erkannt und gefördert werden.

Wie konnte ein Missbrauch der Grundsicherung verhindert werden, ohne finanzielle Unterstützungen zu gefährden?

Bis etwa 2030 waren gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig, um einen Missbrauch von Versorgungsleistungen des Staates zu verhindern. Außerdem musste das Vertrauen in diese langfristige und nachhaltige Politik geschaffen werden. Mit der Einführung der Grundsicherung, die jedem Mitglied der Gesellschaft ohne die Erfüllung von bestimmten Voraussetzungen zusteht, gibt es de facto keinen Leistungsmissbrauch Die Stadt muss allerdings eng mit dem nationalen, regionalen und internationalen Tätigkeitsmärkten zusammenarbeiten, um eine hohe Qualität des Wiener Tätigkeitsmarktes zu garantieren und Lösungen für neue Herausforderungen zu finden.